Rehna

DEM Rehna 2020: Youngster schlägt Etablierte!

So spät wie nie zuvor startete die Internationale Deutsche Enduro Meisterschaft in die neue Saison. Schuld daran die Pandemie rund um COVID-19, welcher zu Beginn des Jahres sämtliche DEM-Läufe zum Opfer fielen. Ein halbes Jahr später beherrscht noch immer „Corona“ die weltweiten Schlagzeilen. Doch dass man mit diesem Thema auch vernünftig umgehen kann und mit einem greifenden, aber nicht überreglementierten Hygiene-Konzept eine derartige Enduro-Veranstaltung stemmen kann, bewies der MC Rehna e.V. im ADAC mit Bravour. So bleibt allen Aktiven und Anwesenden der DEM-Auftakt  in erster Linie als großartiges, sportliches Geschehen in Erinnerung.

Mit zwei Sonderprüfungen, von über acht bzw. über neun Minuten Fahrzeit, wartete auf die Fahrer zum Saison-Auftakt gleich ein straffes Programm. Hinzu kam, dass alle Fahrer des A- und auch B-Championats vier Runden absolvieren mussten. Das bedeutete satte neun Stunden Fahrzeit und eine Gesamtprüfungszeit von weit über einer Stunde.

Internationale Deutsche Enduro Meisterschaft (A-Championat)
Mit Hamish MacDonald betrat ein neuer Mann die DEM-Bühne, der mit dem letztjährigen Weltmeister-Titel in der EnduroGP Youth-Kategorie sein Können, trotz jungen Alters, bereits hinlänglich unter Beweis gestellt hat. Der Neuseeländer startete am Ende des DEM-Fahrerfeldes, da er keine Punkte aus dem Vorjahr vorweisen kann, während seine direkten Konkurrenten an der Spitze ca. 15 Minuten vor ihm auf die Strecke gingen. Ein kleiner Vorteil? Vielleicht. Zumindest konnte der Sherco-Werksfahrer in den ersten beiden Tests eine halbe Minute Vorsprung herausfahren. „In der ersten Runde konnte ich noch meine eigene Linie wählen und Spuren kreuzen, das kam mir sehr entgegen“, berichtet Hamish MacDonald, der sich glücklich zeigte, mit einem Sieg in die DEM-Saison zu starten.

Der einzige der ihm an diesem Tag ernsthaft Paroli bieten konnte, war Davide von Zitzewitz. Ganze drei Bestzeiten rang er dem 21-Jährigen ab, doch dessen Vorsprung aus der ersten Runde konnte der KTM-Fahrer trotz fehlerlosem Ritt nicht wett machen. „Es nervt mich schon ein wenig, das ich nicht oben stehe“, so der Kommentar des Vorjahressiegers mit einem Augenzwinkern, der letztlich souveräner Zweiter wurde, „aber ich bin dennoch mega zufrieden. Ich hatte eine fast fehlerfreie Fahrt und eine Menge Spaß. Ich freue mich schon auf das kommende Rennen, wenn ich mit Hamish in einer Minute starte und wir so direkt bei gleichen Bedingungen fahren.“

Der amtierende Champion Dennis Schröter konnte diesmal nicht in den Kampf um den Spitzenplatz eingreifen. Vielmehr musste er nach der ersten Runde eine echte Aufholjagd starten, um es überhaupt noch auf das Podium zu schaffen. „Ich war heute irgendwie nicht ganz bei der Sache. Mehr war leider nicht drin. Was die beiden da vorn geboten haben, verdient schon Anerkennung“, zeigt sich der Husqvarna-Fahrer sehr sportlich, der sich zwischenzeitlich auch ein enges Duell mit Edward Hübner lieferte. Der Sachse wird letztlich undankbarer Vierter. Die Top Fünf in der Championatswertung wird von Andreas Beier komplettiert, dahinter folgt Tilman Krause auf Rang sechs.

DEM - Klasse E1
Der amtierende Meister Andreas Beier ließ keinen Zweifel daran, wer der Chef in der kleinen Hubraum-Klasse ist. Der mittlerweile achtfache Deutsche Enduro Meister, sieben Titel davon errang er in der E1, nahm bereits im ersten Test seinem ersten Verfolger Yanik Spachmüller zehn Sekunden ab. Auch in den folgenden sieben Prüfungen passierte Beier jeweils als Schnellster die Lichtschranke. So baute der KTM-Fahrer seinen Vorsprung auf fast eineinhalb Minuten aus. „Mit dem Tagessieg bin ich natürlich zufrieden. Mit Blick auf das Championat war heute leider nicht mehr drin. Ich war am absoluten Limit und manchmal ein wenig darüber hinaus. So habe ich mich besonnen ruhig zu bleiben, um möglichst Fehler zu vermeiden.“ Was ihm sehr eindrucksvoll gelungen ist.

Hinter dem Klassenprimus entbrannte hingegen ein heißer Kampf um den zweiten Platz. Diesen hatte nach der ersten Runde Yanik Spachmüller inne, gefolgt vom letztjährigen Junioren-Vizemeister Tristan Hanak und Robert Riedel. Das Trio lag weniger als fünf Sekunden auseinander! „In der ersten Runde lief überhaupt nichts zusammen, aber in der zweiten ging es dann schon ein wenig besser“, blickt Riedel zurück, der zusehends besser in Tritt kam und sich letztlich bis an die zweite Stelle vorarbeiten konnte. Rang drei ging an einen sichtlich unzufriedenen Yanik Spachmüller, der unter anderem einen gröberen Abflug zu verdauen hatte. „Ich bin in der Sonderprüfung durch die Apfelplantage an einem Baum hängengeblieben. Da hat es mich richtig vom Motorrad gezogen. Danach war mir auch leicht schwindelig. Ohnehin fiel es mir über den ganzen Tag ungewöhnlich schwer, konzentriert zu bleiben“, so das Statement des KTM-Fahrers. Tristan Hanak belegte bei seinem E1-Debüt einen guten vierten Platz und Jörg Haustein komplettierte die Top Fünf.

DEM - Klasse E2
Wie im Championat ging der Klassensieg an Hamish MacDonald, während Davide von Zitzewitz den zweiten Platz belegte. Da der Neuseeländer aber keine DMSB-Lizenz besitzt, gehen die 25 Meisterschaftspunkte für den Tagesbesten an den KTM-Fahrer. Damit ließ der Titelverteidiger seine kämpferische Ansage, „in Rehna richtig Einen hinbrennen zu wollen“, auch Taten folgen.

Herausforderer Edward Hübner musste sich mit Tagesrang drei begnügen, war aber dennoch keineswegs unzufrieden. „Es war grundlegend ein guter Tag für mich, ich bin nicht gestürzt und solide gefahren. Im Championat hatte ich zudem mit Dennis Schröter einen schönen Kampf um Rang drei“, gibt der KTM-Fahrer kurz nach der Zielankunft zu Protokoll, um im gleichen Atemzug den Organisatoren und Helfern vom MC Rehna e.V. ein dickes Kompliment auszusprechen. „Hut ab, wie diese die Veranstaltung unter den derzeitigen Bedingungen so entspannt und stressfrei über die Bühne bekommen haben. Das war wirklich großartig. Ich hoffe, die noch kommenden Läufe gestalten sich ebenfalls so schön unkompliziert.“

Hinter dem führenden Trio belegte ein überraschend starker Tilman Krause den vierten Tagesrang. „Die ersten beiden Runden waren wirklich top“, freut sich der Norddeutsche, der zwischenzeitlich sogar als Dritter der Overall-Wertung gelistet wurde. „Danach habe ich, als die Tests schon sehr zerbolzt waren, leider ein wenig verloren. Dennoch bin ich über dieses Ergebnis happy!“ Fünfter wurde Luca Fischeder, der sein Potenzial an diesem Tag nicht voll ausschöpfen konnte, Sechster Altmeister Arne Domeyer, der es in diesem Jahr mit seinen 44 Lenzen noch einmal wissen möchte! 

DEM - Klasse E3
Auch wenn Dennis Schröter in Rehna nicht so dominant wie gewohnt auftrat, für einen souveränen Tagessieg hat es dennoch gereicht. Lediglich eine Bestzeit musste er an die Konkurrenz abtreten.

Hinter dem Husqvarna-Fahrer reihte sich Lokalmatador Björn Feldt an zweiter Position ein. „Die erste Runde lief gut, die zweite dann sogar richtig gut. Nur gegen Ende, als der Wind aufkam und die Strecke richtig hart abtrocknete, bin ich leider nicht mehr so gut klar gekommen“, so der KTM-Fahrer, der sich der lautstarken Unterstützung der heimischen Fans sicher sein konnte.

Platz drei ging an Tim Apolle, der sich nach seinem Karriereschritt hin zum Super- und Extrem-Enduro, wieder einmal beim klassischen Enduro versucht. „Es ist ja sonst nichts weiter los“, entgegnet er mit einem Lachen auf das Warum. „Aber es hat totalen Spaß gemacht. Mit meiner Leistung bin ich ganz zufrieden. Stark angefangen, dann aber leider auch stark nachgelassen, würde ich sagen. Mal schauen, ob ich an den weiteren DEM-Rennen noch teilnehme“, ist sich der Sherco-Fahrer noch nicht ganz sicher, der seinen nächsten Verfolger um eine Dreiviertel-Minute distanzierte. Und das ist Benjamin Meusel auf GasGas, der seinerseits das KTM-Duo Chris Gundermann und Nick Emmrich auf Distanz halten konnte.

DEM - Junioren
Top Fünf war das Ziel und dann stand er doch ganz oben! Noah Wenz, letztjähriger Gewinner des B-Championats konnte sein Glück kaum fassen. „Ich bin wirklich überrascht. Ich hätte wirklich nicht erwartet, dass es so gut für mich läuft. Gleich den Sieg einzufahren ist schon toll.“

Rang zwei ging an Kevin Nieschalk, der nach der ersten Runde regelrecht „geflasht“ war und das im negativen Sinne, wie er selbst zugibt. „Ich war fast geschockt, dass meine Zeiten gegenüber den Konkurrenten so bescheiden waren“, zeigt sich der KTM-Fahrer überrascht, der eigentlich ein gutes Gefühl hatte und es sich zunächst nicht so recht erklären konnte. Doch ab der zweiten Runde gelang es ihm, den Hebel umzulegen. „Ich war zu Beginn viel zu zögerlich. Im Nachhinein ärgert mich das richtig, dennoch war es ein solider Saisonstart.  Es folgen ja zum Glück noch ein paar Rennen.“ Dritter wurde der letztjährige Enduro-Jugend-Cup-Gewinner Lane Heims, dem damit ein gelungener Einstand bei den Junioren gelang. Dahinter komplettieren Oskar Wolff und Maximilian Müller die Top Fünf.